Aufzucht in der Sachkundeprüfung: was dich erwartet

Der Fragenkatalog der Tierärztekammer Nordrhein gilt seit dem 1. Januar 2025 und ist seit dem 1. März 2025 verbindlich: 197 Fragen in 20 Themengebieten, in der Prüfung werden 30 gezogen.

Dieser Block dreht sich um eine einzige Zahl: die 12. bis 16. Lebenswoche. Bis dahin läuft die Sozialisationsphase, in der das Gehirn Verknüpfungen so leicht bildet wie nie wieder. Was ein Welpe in dieser Zeit positiv kennenlernt, ist für ihn ein Leben lang normal. Was er nicht kennenlernt, bleibt potenziell bedrohlich – und muss später mühsam nachgeholt werden, mit deutlich schlechteren Erfolgsaussichten. Gleich drei der zehn Fragen fragen diese Zeitspanne in unterschiedlicher Formulierung ab.

Achtung: Bei 7 von 10 Fragen sind mehrere Antworten richtig:

Richtige AntwortenAnzahl Fragen
eine3
zwei4
drei3
Zwei junge Welpen spielen entspannt miteinander auf einer Wiese – wichtiger Sozialkontakt in der Welpenspielgruppe

Teste dich selbst: 10 Fragen zur Welpenaufzucht

Der Test enthält genau die Fragen, die auch in der Prüfung vorkommen können. Du kannst ihn beliebig oft wiederholen. Danach findest du unten alle Fragen noch einmal in Ruhe erklärt.

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Kategoriebild Aufzucht: junger Hund mit Geschirr sitzt auf einer Decke

Aufzucht

Hier finden Sie Fragen der Kategorie "Aufzucht".

Viel Erfolg.

Bis zu welchem Alter bezeichnet man Hunde als „Welpen“?

Woran erkennen Sie eine empfehlenswerte Welpenspielgruppe?

Was muss man bei einem Hund im Welpenalter in Bezug auf sein Verhalten besonders beachten?

Welche Erfahrungen sind für ein reibungsloses Zusammenleben in der menschlichen Gesellschaft für einen Welpen wichtig?

Ist die Aufzucht von Welpen im Garten ideal?

Welche Punkte sind bei der Welpenerziehung wichtig?

Was muss man bei Übungen mit einem Welpen beachten?

Wie lange dauert die sogenannte Sozialisationsphase beim Welpen?

Warum sind gerade die ersten drei Monate im Leben eines Hundes so entscheidend?

Ab wann sollte man mit einem Welpen eine Welpenspielgruppe besuchen?

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  1. 1 Jutta L. 19 s 100 %
  2. 2 Sonja 1:48 min 100 %
  3. 3 Patrick S. 2:59 min 100 %
  4. 4 Anke B. 3:40 min 100 %

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Alle 10 Prüfungsfragen zum Thema Aufzucht – mit Erklärung

Richtig: nur B

  • ❌ A. Bis zu einem Jahr.
  • B. Von Geburt an bis zum Abschluss der sogenannten Sozialisationsphase, also ca. bis zur 12. bis maximal 16. Lebenswoche.
  • ❌ C. Bis zur Geschlechtsreife.
  • ❌ D. Hunde, die noch von der Mutterhündin gesäugt werden.

Erklärung: Umgangssprachlich nennt man jeden jungen Hund „Welpe“ – fachlich endet die Welpenzeit deutlich früher, nämlich mit der Sozialisationsphase um die 12. bis 16. Woche. Danach beginnt die Junghundzeit, später die Pubertät.

PhaseZeitraum
Vegetative Phase1.–2. Woche
Übergangsphase3. Woche
Prägungs-/Sozialisationsphase4.–12., max. 16. Woche
Junghundzeitab ca. 4. Monat
Pubertätca. 6.–18. Monat, rasseabhängig

📌 Merksatz: Welpe ist ein Hund bis zum Ende der Sozialisationsphase – etwa Woche 12 bis 16.

Richtig: A, C und D

  • A. Es dürfen Hunde verschiedener Rassen teilnehmen. Die Gruppengröße beträgt in der Regel maximal 8 Welpen. Es dürfen nur gesunde Hunde bis ca. zur 16. Lebenswoche teilnehmen.
  • ❌ B. Der Trainer bestraft einen Welpen sofort oder erschreckt ihn mit einer Wasserspritze, wenn er aggressives Verhalten zeigt.
  • C. Ängstlichen Welpen wird ein sicherer Rückzugsort beim Halter gewährt und „Grobiane“ werden liebevoll abgelenkt.
  • D. Den Welpen werden viele verschiedene Reizsituationen geboten, damit sie „umweltsicher“ werden. Dabei bestimmt das schwächste Glied der Gruppe das Ausmaß der Reize.

Erklärung: Der Satz, an dem sich gute von schlechten Welpengruppen unterscheiden, steht am Ende von Antwort D: Das schwächste Glied bestimmt das Ausmaß der Reize. Eine Gruppe, die sich am forschesten Welpen orientiert, überfordert die unsicheren – und die lernen dann genau das Falsche, nämlich dass andere Hunde bedrängen. Weitere harte Kriterien: höchstens acht Welpen, Altersgrenze etwa 16 Wochen, keine Strafen, kein „die machen das unter sich aus“. Eine Gruppe, in der Welpen ungebremst übereinander herfallen, ist keine Sozialisierung, sondern eine Stresserfahrung.

📌 Merksatz: Höchstens acht Welpen, keine Strafen, und das ängstlichste Tier gibt das Tempo vor.

Richtig: A und C

  • A. Ein Welpe sollte in positiver Weise alle Umweltsituationen, Kinder verschiedener Altersklassen und Erwachsene kennenlernen, mit denen er später zurechtkommen muss.
  • ❌ B. Welpen sollten möglichst zurückgezogen und ruhig gehalten werden, da sie noch nicht so aufnahmefähig sind.
  • C. Man sollte individuell die kurze Zeit der Sozialisationsphase für viele Erfahrungen möglichst gut nutzen, ohne den Welpen zu überfordern.
  • ❌ D. Bei einem Welpen braucht man nichts anders zu machen als mit einem erwachsenen Hund.

Erklärung: Zwei Wörter tragen diese Frage: positiv und ohne Überforderung. Ein Welpe, der zehn neue Situationen am Tag erlebt und dabei ständig überfordert ist, lernt nicht Umweltsicherheit, sondern Angst. Die Faustregel: lieber wenige Reize pro Tag, dafür in Ruhe, mit Abstand und mit der Möglichkeit, sich abzuwenden. Ein Welpe, der sich wegdreht oder erstarrt, sagt „zu viel“ – dann geht man weg, nicht näher heran.

📌 Merksatz: Viele Erfahrungen, aber positiv und dosiert – Überforderung erzeugt genau die Ängste, die man vermeiden will.

Richtig: A und B

  • A. Er sollte in positiven Begegnungen viele verschiedene Menschen (von Babys bis zu alten Menschen) kennenlernen.
  • B. Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Teilnahme am turbulenten Straßenverkehr, an die ein Hund je nach Naturell schrittweise herangeführt werden sollte.
  • ❌ C. Welpen sollten möglichst viel im heimischen Bereich gehalten werden, damit sie nicht überfordert werden.
  • ❌ D. Aufenthalte im Zwinger, damit der Welpe lernen kann, auch einmal allein zu bleiben.

Erklärung: Antwort A ist konkreter, als sie wirkt: Hunde generalisieren Menschen nicht automatisch. Ein Welpe, der nur junge Erwachsene kennt, kann später auf Kinder, alte Menschen mit Rollator, Menschen mit Hut, Bart oder Uniform verunsichert reagieren – für ihn sehen die schlicht nicht aus wie Menschen. Deshalb die ausdrückliche Bandbreite „von Babys bis zu alten Menschen“. Zum Alleinbleiben (D): Das lernt ein Hund in kleinen Schritten mit Sicherheitsgefühl, nicht durch Isolation im Zwinger.

📌 Merksatz: Menschen jeden Alters, Verkehr und Bahn – schrittweise und positiv, nicht durch Aussetzen.

Richtig: B und C

  • ❌ A. Der Garten ist eine natürliche Umgebung und das härtet ab.
  • B. Bei einer ausschließlichen Aufzucht im Garten kann der Hund nicht genügend Erfahrungen mit Menschen und dem Leben in häuslicher Umgebung machen.
  • C. Es kommt nicht darauf an, wo der Hund aufwächst, sondern wie viel ihm geboten wird. Bei einer Aufzucht im Garten muss sichergestellt sein, dass er dennoch ausreichend viele positive Erfahrungen macht.
  • ❌ D. Im Garten lauern viele Krankheitserreger, deshalb sollten Welpen bis zur 12. Woche überhaupt nicht draußen gehalten werden.

Erklärung: Es geht nicht um drinnen oder draußen, sondern um Reizvielfalt. Ein Welpe, der nur im Garten aufwächst, kennt keinen Staubsauger, keine Waschmaschine, keine Treppe, keinen Türklingel-Ton, keine Besucher – all das muss er später als erwachsener Hund verarbeiten, mit ungleich mehr Aufwand. Antwort D ist ebenfalls falsch und praktisch wichtig: Welpen bis zur 12. Woche einzusperren, um Infektionen zu vermeiden, kostet die wertvollste Zeit der Sozialisierung. Der übliche Kompromiss: den ungeimpften Welpen tragen, auf dem Arm Straßenlärm und Menschen erleben lassen, Kontakt nur zu bekannt gesunden Hunden.

📌 Merksatz: Nicht der Ort zählt, sondern die Reizvielfalt – Gartenaufzucht braucht Ausgleich im Haus.

Richtig: B, C und D

  • ❌ A. Mit der Erziehung sollte man grundsätzlich nicht in Welpentagen, sondern frühestens mit einem halben Jahr anfangen.
  • B. Welpen können sich immer nur kurz konzentrieren.
  • C. Einen Welpen sollte man niemals bestrafen, denn sonst fördert man Ängste gegenüber Menschen und der Welpe büßt Vertrauen ein.
  • D. Durch frühzeitiges Training über positive Bestärkung fördert man die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und erzielt besonders zuverlässige Ergebnisse.

Erklärung: „Niemals bestrafen“ (C) steht hier in einer Absolutheit, die im ganzen Katalog selten ist – und sie hat einen Grund: In der Prägephase wirken negative Erfahrungen überproportional stark und lange nach. Ein einziger heftiger Schreck kann eine Angst begründen, die Jahre bleibt. Zur Konzentration (B): Ein Welpe hält wenige Minuten durch, danach ist Schluss – kurze Einheiten mehrmals täglich sind der richtige Weg, siehe Training.

📌 Merksatz: Früh anfangen, kurz üben, positiv arbeiten – und beim Welpen niemals strafen.

Richtig: A, B und D

  • A. Man sollte liebevoll, aber konsequent mit ihm umgehen.
  • B. Man sollte ihm im positiven Sinn viele Reizsituationen und Sozialkontakte bieten, ohne ihn zu überfordern.
  • ❌ C. Auch bei einem Welpen muss man schon mit mäßigem Druck und Strenge arbeiten, damit er sich gar nicht erst unerwünschtes Verhalten angewöhnt.
  • D. Übungen sollten spielerisch aufgebaut werden, denn so lernt der Welpe in einer stressfreien Übungsatmosphäre.

Erklärung: Der Schlüsselbegriff ist liebevoll, aber konsequent – und Konsequenz meint nicht Strenge, sondern Verlässlichkeit: Dieselbe Regel gilt heute wie morgen, für alle im Haushalt gleich. Der häufigste Fehler ist nicht zu wenig Strenge, sondern Widersprüchlichkeit: Wenn der Welpe manchmal auf die Couch darf und manchmal nicht, lernt er keine Regel, sondern dass es sich immer lohnt, es zu probieren.

📌 Merksatz: Konsequenz heißt Verlässlichkeit, nicht Strenge – und Üben heißt Spielen.

Richtig: nur B

  • ❌ A. Bis zum Abschluss der 8. Lebenswoche.
  • B. Bis zum Abschluss der 12. bis maximal 16. Lebenswoche.
  • ❌ C. Bis zur Geschlechtsreife.
  • ❌ D. Bis zu einem Jahr.

Erklärung: Die Kernzahl des Blocks, hier direkt abgefragt. Wichtig für die Praxis: Welpen ziehen üblicherweise mit 8 bis 10 Wochen beim neuen Halter ein – die Phase ist dann also schon halb vorbei. Das Abgabealter von Welpen liegt ohnehin frühestens nach der achten Lebenswoche. Von den verbleibenden vier bis sechs Wochen hängt viel ab. Deshalb ist die verbreitete Strategie, den Welpen erst nach Abschluss aller Impfungen unter Leute zu lassen, ein Rechenfehler: Bis dahin ist das Fenster zu.

📌 Merksatz: Sozialisationsphase bis Woche 12, maximal 16 – beim Einzug ist die Hälfte schon vorbei.

Richtig: A und C

  • A. Die Hunde sammeln in dieser Zeit Erfahrungen, die ihnen im späteren Leben als Vergleichsmaßstab dienen.
  • ❌ B. Die ersten drei Monate sind gar nicht so entscheidend. Alle wichtigen Erfahrungen kann ein Hund auch später machen.
  • C. In dieser Zeit entwickelt sich das Gehirn besonders schnell. Durch gute Aufzuchtbedingungen fördert man Umweltsicherheit und soziale Sicherheit und beugt damit der Entstehung von Ängsten vor.
  • ❌ D. Hunde binden sich in dieser Zeit unwiederbringlich an ihren Besitzer.

Erklärung: Der Begriff Vergleichsmaßstab in Antwort A trifft es genau: Was ein Welpe in dieser Zeit erlebt, definiert für ihn die Kategorie „normal“. Alles Spätere wird daran gemessen. Neurobiologisch entstehen in dieser Phase Synapsen in hoher Zahl; was genutzt wird, bleibt, was nicht genutzt wird, wird abgebaut. Antwort D ist ein häufiger Irrtum: Hunde bauen lebenslang Bindungen auf – ein Hund, der mit drei Jahren aus dem Tierheim kommt, bindet sich sehr wohl an seine neuen Menschen.

📌 Merksatz: Die ersten drei Monate legen fest, was für den Hund „normal“ ist – Bindung geht aber lebenslang.

Richtig: nur A

  • A. So früh wie möglich. Welpen brauchen nicht nur sozialkompetente Althunde, sondern auch gleichaltrige Hunde zum Spielen, um ein möglichst gutes Sozialverhalten zu lernen.
  • ❌ B. Ab dem vierten Lebensmonat, sofern alle notwendigen Impfungen erfolgt sind. Vorher sollte man auf keinen Fall den Welpen an andere Hunde heranlassen.
  • ❌ C. Gar nicht, weil langes oder raues Welpenspiel den Gelenken schadet.
  • ❌ D. Wenn der Welpe täglichen Kontakt zu mindestens einem anderen Hund hat, gar nicht.

Erklärung: Antwort B ist die klassische Abwägung Infektionsschutz gegen Sozialisierung – und der Katalog entscheidet sie eindeutig zugunsten der Sozialisierung. Der Grund ist die Rechnung aus der vorigen Frage: Wer bis zum vierten Monat wartet, verpasst das Fenster vollständig. Auch D ist falsch: Ein einzelner Spielpartner reicht nicht, weil Hunde unterschiedlich kommunizieren – der Welpe muss verschiedene Typen, Größen und Spielstile erleben, um Sozialverhalten zu generalisieren.

📌 Merksatz: So früh wie möglich in die Welpengruppe – Warten bis zur letzten Impfung kostet das Zeitfenster.

Die Entwicklungsphasen des Welpen

PhaseAlterWas passiert
Vegetative Phase1.–2. WocheSchlafen, Trinken, Wärme. Augen und Ohren noch geschlossen
Übergangsphase3. WocheAugen und Ohren öffnen sich, erste Schritte
Prägungs- und Sozialisationsphase4.–12., max. 16. WocheDas entscheidende Fenster. Alles Neue wird jetzt als normal abgespeichert
Rangordnungsphase13.–16. WocheAustesten von Grenzen, erste Konflikte
Junghundzeit4.–6. MonatZahnwechsel, Erweiterung des Aktionsradius
Pubertätca. 6.–18. MonatHormonumstellung, Gelerntes wirkt „vergessen“

Die Sozialisierungs-Checkliste für die ersten Wochen

Was ein Welpe bis Woche 16 in Ruhe und positiv kennengelernt haben sollte:

Menschen: Babys, Kleinkinder, Schulkinder, Jugendliche, alte Menschen, Menschen mit Hut, Brille, Bart, Rollator, Rollstuhl, Fahrrad, Uniform

Geräusche: Staubsauger, Waschmaschine, Türklingel, Feuerwerk (leise über Aufnahme), Baustelle, Gewitter, Kinderlärm

Untergründe: Fliesen, Teppich, Gitterrost, Kies, Sand, Wiese, Holzsteg, Treppe

Situationen: Autofahrt, Bus oder Bahn, Tierarztpraxis (ohne Behandlung), Stadtbummel, Marktplatz, Regen, Dunkelheit, allein bleiben für kurze Zeit

Tiere: verschiedene Hunde in Größe und Alter, Katzen, Pferde, Kühe, Vögel

Wichtig: Kennenlernen heißt beobachten dürfen, nicht hineingehen müssen. Wenn der Welpe sich abwendet, erstarrt oder zurückweicht, ist der Abstand zu klein.

Der teuerste Fehler

„Wir warten mit dem Rausgehen, bis er komplett durchgeimpft ist.“ Bis dahin ist der Welpe 16 Wochen alt – und die Sozialisationsphase vorbei. Der übliche Kompromiss: den Welpen tragen, aus sicherer Entfernung schauen lassen, Kontakt nur zu bekannt gesunden Hunden. So bekommt er die Erfahrungen ohne das Infektionsrisiko.

Welpen aufziehen: Ratgeber zum Weiterlesen

Passend zu diesem Themenblock findest du Ratgeber zur Welpenschule und zum richtigen Abgabealter. Wer noch vor der Entscheidung steht, klärt am besten zuerst die Frage Welpe oder erwachsener Hund. Vertiefe außerdem Hund und Kind, das Training und die Hundewahl.